Wann kann eine Lerntherapie Kinder und Jugendliche unterstützen?

  • Wenn das Lesen, das Schreiben und/oder das Rechnen zur Qual geworden ist. Der Schüler versteht etwas nicht und traut sich immer weniger zu.
  • Wenn bei Arbeiten in der Schule plötzlich alles Gelernte weg ist.
  • Wenn das Lernen einfach nicht funktioniert, die Noten schlechter werden.
  • Wenn die Hausaufgaben nicht gemacht werden oder zum ewigen Krieg innerhalb der Familie verkommen.
  • Wenn die Jugendlichen oder Kinder den Unterricht stören oder versuchen zu meiden.
  • Wenn die Jugendlichen anfangen zu resignieren und Ideen entwickeln wie: „Aus mir wird sowieso nichts!“
  • Wenn der Kopf, der Bauch vor Klassenarbeiten weh tut.

Wann kann eine Lerntherapie Kinder und Jugendliche unterstützen?

Kinder und Jugendliche können aus den unterschiedlichsten Gründen plötzlich in der Schule versagen:

  • Wechsel zu weiterführenden Schulen mit höheren Leistungsanforderungen
  • Plötzliche Veränderungen wie der Tod einer wichtigen Bezugsperson, Trennung der Eltern, Krankheit, Umzug, und vieles mehr.

Nicht selten staunen Schülern und Eltern, wenn sie das Ausschlaggebende entdecken. Es kann auch ein Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt: Ein Klassenwechsel, ein neuer Lehrer, der Verlust einer Freundschaft. Oft kann eine schleichende Entwicklung beobachtet werden: Ein Kind ist ein wenig langsam oder unruhig, es schafft es nicht, bestimmte Denkleistungen zu automatisieren; die Noten gehen jedes Jahr nach unten, das Selbstvertrauen genauso und dies mit gravierenden Folgen: Irgendwann glaubt der Schüler so etwas wie:

„Das werde ich sowieso nicht schaffen, es lohnt sich nicht zu üben, ich bin einfach doof!

Oder er/sie findet immer neue Gründe um die Schule zu meiden, die Schuld für das Versagen wird bei den Anderen (Lehrer, Mitschüler, Eltern, die Umstände...) gesucht. Denn wenn er wollte, könnte er sofort... Er hat nur jetzt keine Lust... Schule ist auch nicht so wichtig...

Was lernen die Schüler?

In der Praxis lernen die Schüler:

  • Ihre Wahrnehmung zu verbessern
  • Die Konzentrationsfähigkeit zu steigern
  • Sich gezielt und planvoll mit Aufgaben auseinander zu setzen
  • Eindeutige und klare Begriffe zu verwenden
  • Eigene Lernstrategien zu entwickeln
  • Lernprozesse bewusst zu steuern

Dadurch wird auf die Dauer ihr Selbstbewusstsein gestärkt, ihre sozialen Kompetenzen und die allgemeine Lernmotivation gefördert. Die Mitwirkung von Eltern und Lehrern wirkt sich sehr positiv aus.

Woraus besteht die Lerntherapie?

Eine Lerntherapie ist grundsätzlich ein für diese Schüler speziell und individuell herausgearbeitetes therapeutisches Konzept. Tests, Eingesetzte Methoden, Dauer und Häufigkeit der Termine sowie die Schwerpunkte der Therapie unterscheiden sich von Fall zu Fall erheblich. Auch die Bezugspersonen werden unterschiedlich in die Arbeit einbezogen. Schüler sollten anschließend besser in der Lage sein, Anforderungen selbstständig zu bewältigen, fachliche Lücken zu schließen, – wieder Selbstbewusstsein und Freude am Lernen zu entdecken!

Welcher Ansatz und welche Methoden?

Die in der Praxis eingesetzten Methoden stützen sich u. a. auf die Arbeit von Prof. Dr. Reuven Feuerstein. Er geht vom „Lernpotenzial“ jedes einzelnen Menschen aus und die neuen Ergebnisse zahlreicher Forschungen bestätigen bereits viele seiner Annahmen: Unsere kognitiven Leistungen hängen zum großen Teil von unseren „Denk-Werkzeugen“ ab, die uns ermöglichen, unsere Umwelt zu verstehen und unsere Intelligenz voll auszuschöpfen. Diese Werkzeuge können ein Leben lang gezielt verändert und optimiert werden!

Um effizient und zielgerichtet zu lernen, brauchen alle Menschen die gleichen grundlegenden „Werkzeuge“:

  • Eine differenzierte Wahrnehmung (hören/sehen) eine genaue Unterscheidung von wichtigen und unwichtigen Informationen
  • Eine strukturierte und planvolle Vorgehensweise
  • Die Fähigkeit, komplexe Aufgaben in kleine überschaubare Teilschritte zu zerlegen
  • Einen guten Umgang mit der zur Verfügung stehenden Zeit
  • Eine angemessene Orientierung im Raum (auch im abstrakten Raum)

Prof. Dr. Feuerstein fasst diese Prozesse unter dem Begriff der Kognitiv-Struktur zusammen. Die kognitive Struktur bestimmt, wie wir mit Informationen umgehen. Je mehr geistige “Werkzeuge” wir besitzen und je besser diese aufeinander abgestimmt sind, desto effektiver können wir nach Informationen suchen und sie auswerten. Seit über 50 Jahren hat er sich auf die Förderung und Entwicklung der Kognitiv-Struktur spezialisiert.

Dabei beobachtete Prof. Dr. Feuerstein, dass Ursache mangelhafter kognitiver Strukturen auch fehlende vermittelte Lernerfahrungen sein können. Sei es, weil die Vermittler von Wissen und Fähigkeiten (Eltern, Lehrer, Gleichaltrige u. a.) zu wenig Zeit hatten, zu oft wechselten, sei es, weil diese uninteressiert bzw. dieser Aufgabe nicht gewachsen waren.

Wenn Eltern selbst in Krisen geraten oder psychisch belastet sind, kann sich dies deutlich auch auf das Lernverhalten ihre Kinder auswirken! Prof. Dr. Feuerstein sieht einen engen Zusammenhang zwischen psychischen Traumata, schlechten sozialen Bedingungen und Defiziten der kognitiven Struktur. Dies trifft allerdings nur auf einen Teil der Kinder und Jugendlichen zu.

Imaginationsübungen, Entspannungstechniken, eine systemische Betrachtungsweise, eine ressourcenorientierte Haltung, Elemente der Gestalttherapie, spezifisch für Lese-, Rechtschreib-, Rechenschwäche entwickelte Tests und Förderprogramme werden je nach Fall und Schwerpunkt der Therapie eingesetzt.